Brain2System – Ein Ort für (fast) alles

Wieso ich meine Dokumente, Notizen und Dateien nicht mehr lokal, auf USB-Sticks und in der Cloud verteile – sondern nach dem Johnny.Decimal System zentral an einem Platz ablege. Ein Bericht über Idee, Architektur, Umsetzung und die KI, die als Nächstes kommt.
Warum: Information ist überall – nirgends.
Wir halten unser Wissen an unzähligen Orten vor: PDFs auf der Festplatte, die Doku von 2019 noch auf einem USB-Stick, Fotos im Handy, Notizen in drei Apps, Verträge als Papier im Ordner – und alles nochmal in irgendeiner Cloud. Jeder Ort hat sein eigenes Format, sein eigenes Suchfeld, seinen eigenen Anmeldebildschirm. Der Zustand wird schnell zum Problem: Ich weiß, dass ich die Information habe – aber nicht mehr, wo.
Was fehlt, ist ein einziger Ort, an dem alles zusammenfließt: ein digitales Gedächtnis, das berufliche und private Informationen, Notizen und Dateien aufnimmt – und das ich auch versteht, anstatt mich durch hierarchische Ordnerbäume zu quälen.
Dafür braucht es eine Ordnung. Und genau hier kommt das Johnny.Decimal System ins Spiel.
Die Inspiration: Johnny.Decimal
Das Johnny.Decimal System von John Noble basiert auf einer verblüffend einfachen Erkenntnis: Ordnerbäume mit tief verschachtelten Ebenen sind ungeeignet, weil sie unendlich tief werden können und jeder eine andere Struktur anlegt. Johnny.Decimal macht daraus ein flaches, numerisches System.
Das Leben wird in Areas eingeteilt – große Blöcke zu je zehn Nummern. Innerhalb jeder Area gibt es maximal zehn Categories:
Area 10–19 PRIVAT
10 Persönliche Dokumente
11 Identität
12 Verträge
13 VersicherungenJedes Dokument bekommt eine feste, sprechende Nummer: 12.01 ist die
Versicherungspolice, 12.02 der Mietvertrag. Kein Verschachteln, kein
Doppelt-verstanden-werden – nur Zahlen, und die bleiben ein Leben lang stabil.
12.01 wird nie umnummeriert, nur weil man mittendrin eine Kategorie umbenennt.
Genau das ist der Export-Gedanke für eine App: ein stabiles, maschinenfreundliches Regal für ein ganzes Leben – beruflich wie privat, Dokumente wie Dateien.
Brain2System: das Johnny.Decimal-System als digitale Anwendung
Die Idee: das Johnny.Decimal-System in eine App verwandeln und konsequent erweitern. Die App ergänzt das reine Nummernsystem um das, was ein Ordnungssystem heute können muss:
- Notizen – ein Rich-Text-Editor direkt am Dokument,
- Dateien – Anhänge und Dokumente, die nicht in der Datenbank, sondern in einem S3-kompatiblen Speicher liegen,
- Vorschau – Bilder, PDFs, HTML und Markdown direkt ansehbar,
- Offline-Fähigkeit – das gesammelte Wissen funktioniert im Flugzeug, im Keller und am Strand,
- Synchronisation über Geräte hinweg,
- und später: ein Gespräch mit dem eigenen Gedächtnis statt einer Suche durch Ordner.
Ein Klick bringt von irgendwo zu jedem Dokument – die App erzwingt die Johnny.Decimal-Regeln (Areas zu Vielfachen von 10, höchstens 10 Categories pro Area, höchstens 99 Dokumente pro Category, maximal zwei Ebenen) und hält die Struktur dadurch über Jahre hinweg aufgeräumt.
Das Zahlensystem als Projektion
Eine Besonderheit der Umsetzung: Die Identität eines Dokuments ist eine stabile UUID. Die Johnny.Decimal-Nummer ist nur eine Projektion, die sich aus der Position in der Struktur berechnet. Verschiebt man eine Kategorie per Drag & Drop, werden die Zahlen neu berechnet – Notizen, Dateien und Verknüpfungen bleiben dabei unverändert erhalten.
Das klingt banal, ist in der Praxis aber der Unterschied zwischen einem Ordnungssystem, das einen festhält, und einem, das einen trägt.
Architektur: Clean Architecture bis zu den Daten
Schichten, die nur nach innen zeigen
Der Kern folgt der Clean Architecture. Keine Svelte-Pfeife, keine PouchDB- Referenz im Kern – nur Schnittstellen (Ports):
Domain Entitäten, Value Objects, Ports (Interfaces)
Application Use-Cases, Services, DI-Container
Infrastructure PouchDB/CouchDB, MinIO, Storage-Gate
Presentation Svelte-Komponenten, GUIAbhängigkeiten zeigen nur nach innen: Die Domain importiert nichts, die Präsentation kennt die Infrastruktur nicht. Verdrahtet wird alles in einem einzigen Punkt über einen kleinen, typsicheren Dependency-Injection-Container. Das macht den Kern austauschbar und testbar – Tests registrieren einfach In-Memory-Adapter statt PouchDB.
Technologien
| Bereich | Technologie |
|---|---|
| Frontend | SvelteKit 2, Svelte 5 (Runes) |
| Sprache | TypeScript |
| Editor | Tiptap (Rich-Text für Notizen) |
| Datenbank | CouchDB + PouchDB (offline-first) |
| Datei-Speicher | MinIO (S3-Protokoll) |
| PWA | Vite PWA – installierbar, offline |
| UI | IBM Carbon Design System |
| Betrieb | Docker Compose, nginx |
Als Progressive Web App läuft alles im Browser und ist auf Handy und Desktop installierbar – kein App-Store, kein natives Framework.
Offline-First und Live-Sync
Das Herz ist eine lokale PouchDB im Browser (IndexedDB). Sie ist die
Arbeitskopie: Ohne Netzverbindung ist die App voll nutzbar. Sie repliziert mit
einer CouchDB – live, in beide Richtungen, automatisch. Jeder User bekommt
eine eigene Datenbank (jonny_decimal-<user>). Leistungsfähig und synchen:
- offline: alles lokal, kein Nachladen,
- online: automatische Synchronisation, kein Knopf zum Drücken,
- multi-device: Rechner und Handy gleichen sich von selbst an.
Dateien: getrennt vom Dokument
Dokumente und Notizen liegen als JSON in der Datenbank; große Dateien wandern in MinIO (S3-kompatibel). Ein schlanker Storage-Gate-Dienst vergibt zeitlich begrenzte, signierte URLs zum Hoch- und Herunterladen. Die Datenbank hält nur Metadaten und Referenzen – die Daten bleiben getrennt, skalierbar und sicher.
Datei-Vorschau: ansehen, ohne zu öffnen
Für die häufigsten Formate gibt es eine eingebaute Vorschau direkt in der Struktur- und Dokumentansicht:
- Bilder und PDFs werden inline gerendert,
- HTML und Markdown ebenfalls – Letzteres wird als sandboxed iframe dargestellt: Der Markdown-Renderer erzeugt ein eigenständiges, isoliertes HTML-Dokument ohne Skriptrechte. Anzeigen, ohne sich etwas einzufangen.
Multi-User-Zugang: ein Vault pro Person, Freigabe über den Admin
Die App ist von Anfang an multi-user-fähig. Der Einstieg läuft über einen Account-Gate: Interessierte registrieren sich selbst; der Admin des Systems (Betreiber) prüft und gibt den Account frei. Erst nach der Freigabe entsteht die persönliche Datenbank. Jeder User sieht ausschließlich seine eigenen Daten – der mehrstufige Multi-Tenant-Ausbau (gemeinsame Bereiche, Rechte pro Area) ist durch den sauberen Aufbau vorbereitet.
Darüber hinaus lassen sich einzelne Dokumente über Magic Links schreibgeschützt teilen – mit Ablaufzeit und Widerruf. Kein Account nötig, um etwas zu bekommen, wenn man nur etwas zeigen will.
Modularer Aufbau – und dann kommt das LLM
Der Grundriss ist modular. Die eigentliche Zutat der Zukunft: ein LLM übernimmt Suche und Dialog.
Warum? Die Nummer 12.01 ist maschinenfreundlich, aber nicht menschlich. Der
Moment, in dem die App ihren Wert verdoppelt, ist der, in dem man nicht mehr
wissen muss, wo etwas liegt:
„Zeig mir alle Verträge, die dieses Jahr auslaufen.“
„Was hat mir die Ärztin letztes Jahr zu den Blutwerten geschrieben?“
„Fasse alle Informationen zur Küchenplanung zusammen.“
Ein LLM durchsucht dafür nicht das rohe Notiz-JSON, sondern einen sprechenden Text-Index (die Volltextsuche mit Umlaut-Faltung steckt bereits in der App), findet Dateien, Struktur und Notizen gleichermaßen – und antwortet mit Verweis auf die Originalquellen.
Genau dafür ist der modulare Kern da: Die Suche ist heute schon ein austauschbarer Service im DI-Container. Die lokale Textsuche gegen einen Embedding-Index zu tauschen oder einen Sprach-Assistenten anzubinden, ist nur ein Adapter – kein Umbau. Notizen, Anhänge, Struktur und Multi-User-Daten sind sauber getrennt, sodass die KI genau die Teile anfassen kann, die sie braucht.
Das Design: Warum Carbon? Warum Bauhaus?
Das UI basiert auf dem IBM Carbon Design System – aus Überzeugung, nicht aus Gewohnheit. Carbon ist in seiner Ästhetik Bauhaus: Form follows function, weniger ist mehr, das Wesentliche zählt. Ein Ticker statt eines Banners, klare Geometrie, ehrliche Typografie, eine zurückgenommene Farbwelt – die Oberfläche verschwindet hinter der Information und lässt nichts zwischen dich und dein Wissen treten. Ein Ordnungssystem nach Bauhaus-Ästhetik, reduziert auf das Wesentliche – genau wie die Idee, die hinter Johnny.Decimal steht.
Fazit
Vom nummerierten Papier-Ordner zum persönlichen, offline-fähigen, synchronisierten Gedächtnis ist es ein weiter Weg. Die Antwort auf „alles liegt irgendwo" ist nicht mehr Organisation, sondern ein Ort, der alles versteht – und wenn es nach dem modularen Kern geht, spricht dieser Ort bald auch mit dir.
Screenhots
Start mit einem Template oder nutze dein eigenes System

Strukturierter Baum für Dokumente & Dateien

Richtext Editor

lösche Daten, lösche deinen Account

Schlagworte
War dieser Beitrag hilfreich?
Kommentar senden
Dein Feedback wird direkt als Push-Nachricht auf mein Handy gesendet.